Die vorliegende Arbeit wird in zwei Teile gegliedert: die Entstehung sowie die Entwicklung des deutschen Liedes bzw. Kunstliedes und die poetische musikalische Anschauung Robert Schumanns. Aus historischer Sicht wird das Lied gleichzeitig auf der literarischen und der musikalischen Ebene seit langer Zeit praktiziert. Die Theorie des Liedes entfaltete sich erst im 18. Jahrhundert im soziohistorischen Zusammenhang mit dem Gedankengut, der kulturellen Atmosphare und dem Bewusstsein zum Staat. Insbesondere durch den Anstoß von Herder und dem jungen Goethe haben die Musiker der Berliner Liederschule, die einfache Strophenlieder und einen Volkston bevorzugten, unzahlige Lieder komponiert und eine Musiktheorie entwickelt. Diese Komponisten fanden den Text wichtiger als die Musik und akzentuierten die Einheit von Wort und Ton wie im Minnesang. Das deutsche Kunstlied im 19. Jahrhundert begann aber 1814 mit Schuberts 「Gretchen am Spinnrade」 nach Goethe. Das Kunstlied, das anders als das einfache, naturhafte Volkslied etwas Kunstlerisches und Kompliziertes hat und nach hohen Anspruchen der neuen Gattung komponiert wurde, erlebte seine Hochblute besonders in den Liedern von Schubert, Schumann, Brahms, Hugo Wolf und Richard Strauss. In den meisten Epochen der Liedgeschichte sind jedoch Volkslied und Kunstlied nicht streng getrennt, sondern eng miteinander verbunden. Seit 1950 ging die Tendenz zur Liedkomposition absolut zuruck, trotzdem ubte die Gattung des deutschen Liedes großen Einfluss auf viele andere Musiker der Nachbarlander aus. Die Identitat von Lied und lyrischem Klavierstuck als musikalische Lyrik verkorperte Robert Schumann am erfolgreichsten. Er war ein seltener Fall, der mithilfe seiner Doppelbegabung einer der literarischsten Komponisten in der Musikgeschichte war. So war er einwandfrei als außergewohnlicher Kenner der Literatur, produktiver Leser, seelenvoller Dichter, Musikschriftsteller und asthetiker, Herausgeber einer progressiven Zeitschrift fur Musik, Vorkampfer fur eine neue Richtung in der Musik des 19. Jahrhunderts, herausragender Musiker und großter Liederkomponisten in der Hochromantik anerkannt. Wenn man seine poetische Musik aus der Sicht der Liedkompositionen betrachtet, bedeutet diese Musik die veredelte Sprache der Seele, poetische Freiheit, romantische Musik als `eine progressive Universalpoesie` im Sinne von F. Schlegel, die mit der Phantasie als der hochst `poetischen Kraft` im Jean Paulschen Sinne eine ganz erfullte Musik, eine geheimnisvolle Traumwelt darstellt. Daruber hinaus ist sie die Kunst, in der sich das Komponieren und das Dichten vereinigen konnen, namlich Gedichte konnen zur Komposition poetischer Musik werden-umgekehrt kann poetische Musik zum Dichten werden. Aufgrund seiner Doppelbegabung sind die Literatur und die Musik in eins verschmolzen-im orginellen Sinne des Liedes. Die Lieder und die Zyklen, die er im so genannten Liederjahr 1840 komponiert hat, verlieren nicht den glanzvollen Ruhm des romantischen Kunstliedes in der Moderne. Die Lieder einschließlich der Operatorien und Musikdramen der spateren Schaffensperiode in der Zeit vom 1847 bis 1852 sind vollig anders als die Lieder im Liederjahr 1840. Die spateren Musikstucke stellen keine eigene gattungsmaßig abgeschlossene Form dar, sondern einen Teil eines umfassenden Konzepts von Vokalmusik, das uberwiegend vom nichtsolistischen Stil gepragt wird. Das ist mit den allgemeinen gesellschaftlichen, politischen Landschaften der 1840er Jahre und den damaligen kompositorischen Tendenzen eng verbunden.
(0)
(0)