Die sozialgeschichtlichen Untersuchungen der landlichen Bevolkerung der vormodernen Zeit haben sich seit langerem mit der Problematik der sozialen Schichtung auseinandergesetzt. Mit der anthropologischen Wende in der Geschichtswissenschaft in der Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts sind jedoch die Schichtungsmodelle an ihre Grenzen gestoβen, da die harte Kategorie der sozialen Schichtung durch Netzwerke, Klientelsystem, Alter und Familienbeziehungen usw. gemildert wird. In der Agrargeschichte nimmt dabei die Erforschung der kleinen Einheiten wie Person, Familie, Haushalt und Gemeinde eine wichtige Rolle. Das Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, anhand dieses mikrohistorischen Ansatzes dem sozio-okonomischen Zustand der Dorfbewohner - vornehmlich der Kleinstellenbesitzer, sogenannten “Soldner” - in vier ostschwabischen Ortsherrschaften der ehemaligen Augsburger Patrizierfamilien bzw. Reichsritter Rehlinger und Imhof (Hainhofen, Horgau, Kleinkitzighofen und Untermeitingen) nachzugehen. In den urbariellen Quellen tritt die Groβe des Grundbesitzes als einziges Kriterium zur Einschatzung der Wirtschaftskraft einzelner Dorfbewoher auf. Demnach scheinen die Hofbauern, die groβen Grundbesitz bewirtschaften, mit Abstand den hochsten sozio-okonomischen Rang innerhalb eines Dorfes eingenommen zu haben. Aber die Analyse der parallel angelegten, seriellen Amtsprotokolle zeigt, daβ der Grundbesitz in der landlichen Gesellschaft keineswegs die alleinige Determinante in der okonomischen Plazierung war. Die Soldner hatten beispielsweise zwar weniger Grundbesitz als die Hofbauern inne, aber sie durfen nicht wie in der Literatur als Synonym fur die landliche Unterschicht angesehen werden. Warum? Erstens, zur Einschatzung der Wirtschaftskraft jeweiliger Anwesensinhaber muβ neben dem Grundbesitz ein anderer Faktor wie die Verschuldung bzw. Kreditgewahrung des einzelnen Kreditnehmers oder -gebers berucksichtigt werden. So kann man bei den Amtsprotokollen nicht selten die Beispiele der vermogenden Soldner, wie z.B. Schreiner Conrad Rist in Hainhofen, feststellen, die aufgrund eines erfolgreichen Gewerbebetriebs uber hohe Geldbetrage verfugten und sich bei inner- und auβerdorflichen Kreditbeziehungen als wichtige Glaubiger betatigten, Fur die vermogenden Soldner wie C. Rist waren ubrigens ihre handwerklichen Tatigkeiten manchmal viel wichtiger als die Akkumulation von Grund und Boden. Zweitens, unter den Soldnern gab es eine kleine Berufsgruppe, die den Hofbauern nahestehende Stellung hatte und damit den sozialen Abstand zwischen den Hofbauern und den Soldnern verkleinerte: Wirte, Ihre besondere Stellung im Dorf schlagt sich vor allem in ihren engen Heiratsverbindungen mit Hofbauern und in der Nebenbeschaftigung von Kleinkitzighofischen Hofbauern als Wirt nieder. Drittens, das Soldnertum spiegelt gegebenenfalls eher eine Phase im Lebenszyklus als eine soziale Schicht wider. Sowohl in Rehlingischen als auch in Imhofischen Ortsherrschaften wurde ein ehemaliger Hofbesitzer, der sich nach der Hofubergabe auf eine Solde als ein Altenteil zuruckzog, fast ausnahmslos als Soldner bezeichnet. In diesem Fall stellt der Terminus Soldner lediglich einen Kleinstellenbesitzer dar, aus dem keine falsche soziale Konnotation abgeleitet werden darf, Zur komplexeren Darstellung der landlichen Sozialstruktur mussen also anthropologische Kategorien wie Alter und Familienbeziehungen neben der sozialen Schichtung unbedingt mit berucksichtigt werden, weil nur dadurch eine falsche Schichtzuweisung eines Dorfbewohners vermieden werden kann. Dies fordert zugleich als unausweichliche Voraussetzung die vergleichende Analyse der verschiedenen Quellen: d.h. die Grenze der sozialen Plazierungen aufgrund von querschnittlichen Analysen der Urbare oder Steuerbeschreibungen muβ durch eine Langsschnittanalyse, wie sie gerade die serienweise angelegten Amtsprotokolle ermoglichen, uberwunden werden.
Ⅰ. 머리말
Ⅱ. 촌락 거주민들의 사회적 구성
Ⅲ. 사회계층 모델의 한계 - 과연 소농을 하나의 독립된 사회계층으로 간주할 수 있는가?
Ⅳ. 맺음말
Zusammenfassung
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