Im Deutschen ist die (S)-V-O Wortstellung nur in Hauptsätzen grammatisch, und nicht in Nebensätzen (außer bei weil-Nebensätzen, innerhalb derer die (S)-V-O Wortstellung gelegentlich grammatisch ist). Dagegen ist die (S)-O-V Wortstellung nur in Nebensätzen grammatisch; vergleiche hierzu die grammatischen Unter- schiede in (1)-(4). (1) Maria hört Musik, und Hans liest den Text. (2) *Maria hört Musik, und Hans den Text liest. (3) Michael weiß, dass Hans den Text liest. (4) *Michael weiß, dass Hans liest den Text. Was jedoch die Strukturzuweisung (‘parsing’) beim Satzverstehen anbetrifft, so ist neuerdings evident geworden, dass die Ungrammatikalität bei eingebetteten (S)-V-O Sätzen wie in (4) toleriert wird. Mit anderen Worten: Muttersprachler des Deutschen verstehen ungrammatische (S)-V-O Sätze genauso schnell wie die entsprechenden grammatischen ((S)-V-O im Hauptsatz, vgl. (1)). Bei ungrammatischen (S)-O-V Nebensätzen wie (2) ist dies nicht der Fall: Die Verarbeitungszeit für (2) ist länger als die für (3). Somit lässt sich feststellen, dass der ‘Parser’ von Muttersprachlern des Deutschen (S)-V-O gegenüber (S)-O-V bevorzugt. Vor diesem Hintergrund ist in der vorliegenden Untersuchung ein ähnliches Experiment durchgeführt worden, und zwar mit L2 Lernern des Deutschen. Als Versuchspersonen dienten koreanische Erwachsene, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Das Experiment hat ergeben, dass die Verarbeitungszeiten für 4 Typen von Sätzen wie (1)-(4) gleich sind. Dies bedeutet, dass beim Verstehen von ungrammatischen Nebensätzen in (2) und (4) kein Ungrammatikalitätseffekt auftritt. Dies liegt u. E. daran, dass die Strukturzuweisung beim Satzverstehen im Deutschen als L2 von 3 unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird: Deutsch (L2) auf jeden Fall, Koreanisch (Muttersprache), und Englisch (eine andere L2, die Versuchspersonen auch beherrschen). Das Szenario ist wie folgt: (i) Beim Verstehen von Sätzen wie (2) spielt Koreanisch, d. h. die Muttersprache von Versuchspersonen, eine Rolle: die zugrundeliegende Wortstellung vom Koreanischen, nämlich (S)-O-V, wird transferiert. Deshalb tritt hier kein Ungrammatikalitätseffekt auf. (ii) Beim Verstehen von Sätzen wie (4) wird eine andere L2, nämlich Englisch, eingesetzt: Englisch ist eine strikte (S)-V-O Sprache, in der Sätze wie (4) völlig grammatisch sind. Dass hier kein Ungrammatikalitätseffekt auftritt, ist somit durch die Annahme zu erklären, dass die Versuchspersonen die (S)-V-(O) Wortstellung des Englischen transferieren. Es liegt deshalb nahe, dass die Verarbeitung (Satzverstehen in unserem Fall) von Zweitsprache von mehreren heterogenen Faktoren beeinflusst werden kann. Was für Faktoren welche Rolle dabei spielen, lässt sich nur durch zukünftige Untersuchungen feststellen.
Im Deutschen ist die (S)-V-O Wortstellung nur in Hauptsätzen grammatisch, und nicht in Nebensätzen (außer bei weil-Nebensätzen, innerhalb derer die (S)-V-O Wortstellung gelegentlich grammatisch ist). Dagegen ist die (S)-O-V Wortstellung nur in Nebensätzen grammatisch; vergleiche hierzu die grammatischen Unter- schiede in (1)-(4). (1) Maria hört Musik, und Hans liest den Text. (2) *Maria hört Musik, und Hans den Text liest. (3) Michael weiß, dass Hans den Text liest. (4) *Michael weiß, dass Hans liest den Text. Was jedoch die Strukturzuweisung (‘parsing’) beim Satzverstehen anbetrifft, so ist neuerdings evident geworden, dass die Ungrammatikalität bei eingebetteten (S)-V-O Sätzen wie in (4) toleriert wird. Mit anderen Worten: Muttersprachler des Deutschen verstehen ungrammatische (S)-V-O Sätze genauso schnell wie die entsprechenden grammatischen ((S)-V-O im Hauptsatz, vgl. (1)). Bei ungrammatischen (S)-O-V Nebensätzen wie (2) ist dies nicht der Fall: Die Verarbeitungszeit für (2) ist länger als die für (3). Somit lässt sich feststellen, dass der ‘Parser’ von Muttersprachlern des Deutschen (S)-V-O gegenüber (S)-O-V bevorzugt. Vor diesem Hintergrund ist in der vorliegenden Untersuchung ein ähnliches Experiment durchgeführt worden, und zwar mit L2 Lernern des Deutschen. Als Versuchspersonen dienten koreanische Erwachsene, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Das Experiment hat ergeben, dass die Verarbeitungszeiten für 4 Typen von Sätzen wie (1)-(4) gleich sind. Dies bedeutet, dass beim Verstehen von ungrammatischen Nebensätzen in (2) und (4) kein Ungrammatikalitätseffekt auftritt. Dies liegt u. E. daran, dass die Strukturzuweisung beim Satzverstehen im Deutschen als L2 von 3 unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird: Deutsch (L2) auf jeden Fall, Koreanisch (Muttersprache), und Englisch (eine andere L2, die Versuchspersonen auch beherrschen). Das Szenario ist wie folgt: (i) Beim Verstehen von Sätzen wie (2) spielt Koreanisch, d. h. die Muttersprache von Versuchspersonen, eine Rolle: die zugrundeliegende Wortstellung vom Koreanischen, nämlich (S)-O-V, wird transferiert. Deshalb tritt hier kein Ungrammatikalitätseffekt auf. (ii) Beim Verstehen von Sätzen wie (4) wird eine andere L2, nämlich Englisch, eingesetzt: Englisch ist eine strikte (S)-V-O Sprache, in der Sätze wie (4) völlig grammatisch sind. Dass hier kein Ungrammatikalitätseffekt auftritt, ist somit durch die Annahme zu erklären, dass die Versuchspersonen die (S)-V-(O) Wortstellung des Englischen transferieren. Es liegt deshalb nahe, dass die Verarbeitung (Satzverstehen in unserem Fall) von Zweitsprache von mehreren heterogenen Faktoren beeinflusst werden kann. Was für Faktoren welche Rolle dabei spielen, lässt sich nur durch zukünftige Untersuchungen feststellen.
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